Zlatan ante portas
Bei Paris Saint Germain plant man den grossen Coup. Seit der quatarische Mäzen Nasser Al-Khelaifi an der Spitze des Hauptstadtclubs steht, fällt jeden Tag ein neuer Name, wenn es um potentielle Neuzugänge geht. Ob Neymar, Rooney oder Ibrahimovic. Alle standen sie angeblich schon kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrags. Letzterer allerdings scheint nun tatsächlich zu kommen. Und er kommt nicht alleine. Denn in der französischen Hauptstadt wartet bereits sein ehemaliger Klubkollege vom AC Mailand Thiago Silva.
Der reiche Scheich
Sonnengebräunte Haut, weisses Gewand, stilvolle Ledersandaletten. Längst hat Nasser Al-Khelaifi den Kunststoffschläger gegen einen Aktenkoffer eingetauscht. Seine Karriere begann als Tennisspieler. Er war Teil des quatarischen Davis Cup Teams. Später dann Präsident von Al Jazeera. Kaum einer weiss genau, wie er zu so viel Geld kam. Sicher ist nur: heute hat er es und er ist gewillt es auszugeben. Er wirkt wie einer, der bei einem Glas Ziegenmilch gerne mal ein Kamel verscherbelt oder den ein oder anderen Teppich feil bietet. Er hat dieses verschmitzte Jahrmarktgrinsen eines fahrenden Händlers aus 1001 Nacht. Einem dem man kaum ein Angebot ausschlagen kann. Aber Nasser Al-Khelaifi verkauft nicht. Er kauft. Und das nicht zu knapp. Seit einem Jahr ist er nun schon Präsident des französischen Hauptstadtvereins Paris Saint Germain. Ein Klub, der in jüngster Vergangenheit nie eine Rolle spielte, wenn es um die Vergabe von grossen Titeln ging. Vielmehr glänzte man durch negative Schlagzeilen wie Fanausschreitungen oder makabre Spruchbänder. Vor ein par Jahren spielte man sogar noch um den Klassenerhalt. Bordeaux, Marseille, Lille. Sie alle durften bereits jubeln, während die Hauptstadt auf der sportlichen Bühne ihr Schattendasein fristete. Nun ist der Scheich da. Ist Geld da. Die ersten Spieler wurden bereits letztes Jahr verpflichtet. Doch wieder wurde es nichts mit der Meisterschaft. Der Fussballzwerg aus Montpellier verwies die Haupstädter nur auf Rang zwei. Dieses Jahr soll es nun endlich klappen. Und grosse Namen sollen dabei helfen.
Mit viel Geld auf Platz 2
Es ist wie so häufig, wenn sich reiche Männer ein kleines Hobby zulegen. Während man sich mancherorts gerne mal eine Modelleisenbahn für den Hobbykeller gönnt, kauft man im Morgenland lieber ganze Fussballvereine. Ein netter Zeitvertreib. Sich ab und zu mal im Stadion blicken lassen. Mit der Sportprominenz speisen. Hin und wieder einen Scheck ausstellen. Was in England längst zur Fussballkultur gehört, ist nun auch über den Ärmelkanal geschwappt. Dabei muss man noch nicht einmal grosse
Ahnung haben, weil zur Not kann man ja auch gleich noch das alte Personal feuern und durch teures ersetzen. So auch in Paris. Bei der Übernahme war man vor einem Jahr sogar noch Tabellenführer. Dann wurde der Trainer entlassen. Wer ist schon Antoine Kombouaré? Das klingt doch nach nichts. Ein Leonardo und ein Carlos Ancelotti mussten her. Die kennt man wenigstens. Das liest sich doch schonmal nach grossem Fussball. Dann noch hier und da ein par Spieler gekauft. 100 Millionen Euro für Neuzugänge. Das grosse Scheckbuch wurde gezückt. Dumm nur, dass kein Star kommen wollte. Naja, egal. Dann kauft man eben einen Javier Pastore. Kein Brasilianer von Real Madrid. Kein Spanier von Barcelona. Nein, ein Argentinier vom US Palermo. Was, den kennt keiner? Dann bezahlen wir halt 42 Millionen Euro, dann wird man ihn kennen. Fast ein Schnäppchen. Für so ein Talent ja fast schon geschenkt. Und dann noch ein weiteres Dutzend kickender Dünnbrettbohrer. Ein Jeremy Menez zum Beispiel, dem in Frankreich ein ähnlich intellektueller Ruf vorrauseilt wie einem Lukas Podolski in Deutschland. Aber egal, dumm kickt gut. Das verworrene Konstrukt PSG begann so langsam Form anzunehmen. Doch man wurde eben nicht Meister. Ausgerechnet Montpellier, der Verein mit dem zwölftgrössten Etat der Liga gewann den Titel. Und jeder in Frankreich drückte ihnen die Daumen. Keiner wollte die den Quatar SG siegen sehen. In Paris konnte man es nicht fassen. Und dabei hatte man doch eigentlich alles richtig gemacht.
Die ersten Stars im Anflug
Um nun dieses Jahr auf Nummer sicher zu gehen, bleibt Nasser Al-Khelaifi wohl fast nichts anderes übrig als richtige Stars zu holen. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Denn wer will schon in der Ligue 1 spielen, wenn man bei Teams wie Manchester United, Real Madrid oder Barcelona sein Geld verdienen könnte. In Mailand ist man nun fündig geworden. In einer maroden Liga, die sich kaum noch vor Schulden und Wettskandalen retten kann hat man zwei
im Visier. Der erste ist seit diesem Wochenende bereits ein Pariser: Thiago Silva, Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft. Er gilt derzeit als einer der besten auf seinem Posten. Im Sturm soll Zlatan Ibrahimovic kommen. Na endlich. Den kennt man zumindest. Das ist doch der, der bei der EM das schöne Tor gegen Frankreich geschossen hat? Genau der. Ein internationaler Titel fehlt ihm allerdings noch. Selbst bei Barcelona, und in Italien konnte er die Königsklasse nicht gewinnen. Nun wechselt er von Mailand nach Paris. Für einen der eitelsten Kicker des Planeten zumindest in modischer Hinsicht kein Absturz. Einziges Problem: Da ist doch dieser neue in der Stadt. Dieser Francois Hollande, der mit seinen überhöhten Steuern den armen Fussballern das Geld aus den Taschen zieht. In Mailand verdient Ibrahimovic zur Zeit noch 12 Millionen jährlich. Mindestens genauso viel will er auch in Frankreich verdienen. Netto versteht sich. Bei einem Steuersatz von 75% auf alle Edelgehälter jedoch schaut die Sache auch für einen orientalischen Goldesel plötzlich ganz anderst aus. Da müsste man ja wirklich mal verhandeln und nicht einfach unterschreiben und bezahlen. Trotzdem dürfte der schwedische Stürmer noch in dieser Woche in Paris eintreffen. Der PSG hätte endlich seinen ersten wirklichen Star. Und es düfte wohl nicht der letzte bleiben, denn man bastelt schon an neuen Transfers. Ob es dieses Jahr allerdings etwas mit der Meisterschaft wird, bleibt abzuwarten. Denn im hohen Norden kickt seit letzter Woche ein gewisser Salomon Kalou. Der OSC Lille rüstet auf. Und das ganz ohne Millionär. Mit einem funkelnagelneuen Stadion, solider Mannschaftsarbeit und intelligenter Transferpolitik. Vor einem Jahr waren die schon einmal Meister, nächstes Jahr sind sie die wohl stärksten Konkurrenten der Pariser. Und auch in der Champions-League drohen dieses Jahr die ganz grossen Gegner, da man als “kleiner Club” bei der Verlosung auf die ganz grossen Vereine treffen könnte. Sollte man auch dieses Jahr ohne Titel bleiben, wird man wohl einmal mehr zum Gespött der Heimat. Denn in einem Land, in dem der Zentralismus genauso zum Kulturgut gehört, wie Edith Piaf und Louis de Funes, gönnt man der übermächtigen Haupstadt nichts, schon gar nicht sportliche Erfolge. Doch einem Nasser Al-Khelaifi dürfte das egal sein. Solange er noch genug Geld hat für eine neue Modelleisenbahn.
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