Zurück zu alten Zeiten

Die Wahlen in Frankreich sind längst vorbei. Francois Hollande hat das Amt übernommen. Der so verhasste Sarkozy musste gehen. Doch seit dem 8. Juni steht ein anderer Staatsmann mehr im Blickpunkt denn je. Die Rede ist von Laurent Blanc. Le Président, seiner Zeit Abwehrchef, als Frankreich noch fussballerisch überzeugen konnte, soll die Grande Nation wieder zurück in die Erfolgsspur bringen. Nach dem peinlichen Auftritt in Südafrika wartet ein ganzes Land auf Wiedergutmachung.

Der Erfahrene

Die Ärmel hochgekrempelt, mit einem lässigen Grinsen im Gesicht, schreitet Laurent Blanc seit dem 1. Juni 2010 die Coaching-Zonen dieser Welt auf und ab. Er hat etwas von einem Cowboy, wie er da so mit einem grashalmähnlichen Plastikstück im Mund, seelenruhig am Seitenrand steht. Die Hände am Abzug. Bereit zum Duell. Er ist der neue Sheriff in der Stadt. Der, der les Bleus wieder zu Ruhm und Ehre führen soll. Denn wenn einer weiss, wie man Europameister wird, dann er. Als Abwehrchef war er 2000 mit dabei, als David Trezeguet das berühmte Golden Goal gegen Italien schoss. Spielte zusammen mit den grössten der Welt, ist per Du mit Zidane, Henry & Co. Ein Siegertyp. Einer, der weiss wie der Hase läuft. Einer, der es schaffte selbst mit einer mittelmässigen Mannschaft aus Bordeaux 2009 französischer Meister zu werden. Und auch in der Champions-League schied man erst im Viertelfinale aus, überstand als souveräner Gruppenerster sogar die Vorrunde ohne eine Niederlage. Die Bayern erinnern sich.

Nach dem Fiasko von Kysna zurück zu alter Stärke

Heute geht es nun gegen die Ukraine. Gegen den Gastgeber. Gegen Andrij Shevchenko. Es zählt nur ein Sieg. Doch auch gegen den krassen Ausenseiter scheint diese Mission schwerer als gedacht. Sechs Jahre ist es her, dass Frankreich das letzte Mal bei einem internationalen Tunier gewinnen konnte. Was danach kam, wissen wir alle. Die Ära eines Mannes, dem man heute in Frankreich nicht mal mehr den einfachen Tod wünschen würde, so nachhaltig hatte er das Bild der Grande Nation besudelt. Ein Mann der es schaffte, selbst Nicolas Sarkozy noch vom Thron der Unbeliebtheit zu stossen. Die Rede ist von Raymond Domenech. Der, der les Bleus 2006 noch ins WM-Finale gegen Italien führte um schliesslich 2010 das zu schaffen, was noch keiner schaffte: einen Mannschaftsstreik. Gut, wenn soetwas passieren könnte, dann auch nur den Franzosen, könnte man sagen. Zählt die Arbeitsverweigerung doch mittlerweile genauso zum französischen Kulturgut, wie Käse und Wein. Was ihm jedoch keiner verzeiht, ist der Ansehensverlust der Grande Nation. Bilder des schmollenden Nationalcoachs mit seinen unbeugsamen Galliern gingen um die ganze Welt. Die Franzosen neigen dazu, für jedes noch so kleine Ereignis einen ausdrucksstarken Namen zu erfinden. Das “Fiasko von Knysna” ging daher als traurigstes Kapitel des französischen Fussballverbandes in die Geschichtsbücher ein.

Ein Sieg ohne Zidane und Platini?

Das französische Revolutiönchen von 2010

Heute sieht die Sache wieder anderst aus. In der Vorbereitung schlug man die Truppe von Jogi Löw mit einem beeindruckenden 2:1 und ist nun mit dem letzten Gruppenspiel gegen die Engländer seit nunmehr 22 Spielen ungeschlagen. Doch was bleibt, sind die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten. Nominell zählt Frankreich natürlich immernoch zu den Top-Teams, hat mit Franck Ribery, Florent Malouda und Karim Benzema eine der besten Offensiven des Tuniers. Doch auch gegen England kam man nicht über ein schwaches Unentschieden hinaus. Während die Elf von Laurent Blanc für viele zu den Geheimfavoriten gehört, glaubt im eigenen Land kaum einer an das Erreichen der nächsten Runde. Zu tief sitzt die Schmach von Südafrika. Statistiker heizen die Stimmung zusätzlich an. Denn Frankreich hat ohne Zidane und Platini, noch nie ein Spiel bei einer Europameisterschaft gewinnen können. Sollte dies so bleiben droht Ungemach. Auch ein Laurent Blanc dürfte dann wohl oder übel seine Koffer packen. Doch an ein “Fiasko von Kircha” (Name des französischen EM-Quartiers in der Ukraine) wagt man bis jetzt noch nicht zu denken.

Zur Prognose Frankreich Ukraine

EM 2012

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